Schattenseiten

Leider gibt es nicht nur schöne Erlebnisse bei der Rochenpflege.


Ausnahmslos JEDER langjährige Rochenhalter, wird schon die ein oder andere unschöne Erfahrung gemacht haben, auf die er lieber verzichtet hätte. Manche Vorfälle wären vielleicht vermeidbar gewesen andere bleiben rätselhaft.

Nicht selten bringt auch ein Verlust von Tieren die Überlegung mit sich, das Hobby an den Nagel zu hängen.


Ich möchte meine Erfahrungen hier teilen, um anderen Haltern die Möglichkeit zu geben, zumindest Vorhersehbares zu vermeiden.

plötzlicher Tod

Über dieses Pot.Leopldi Weibchen, wollte ich mir ursprünglich eine Zucht aufbauen. Ich hatte das Glück, sie von einem deutschen Züchter zu erwerben - zu Zeiten, als es durch das noch bestehende Exportverbot kaum Möglichkeiten gab, an schöne Leopoldi-Nachzuchten zu einem vernünftigen Preis heranzukommen.

Sie kam mit etwa 13-14cm DW zu mir und fraß ausschließlich rote Mückenlarven.

Nach erfolgreicher Futterumstellung, wuchs sie bei mir innerhalb von 2Jahren auf eine DW von gut 40cm.

Eines morgens fand ich sie abgesondert von den anderen Rochen in einer Ecke liegend mit relativ schwerer Atmung vor. Da es am Abend zuvor reichlich Futter gab und alle anderen Rochen keine Auffälligkeiten zeigten, machte ich mir auch keine weiteren Gedanken. Nur 2 Stunden später schreckte das Weibchen ohne ersichtlichen Grund auf, schoß einmal quer durch's Becken, landete auf dem Rücken und blieb regungslos liegen. Sie war auf der Stelle tot.

Da ich äußerlich keine mögliche Ursache entdecken konnte, öffnete ich die Bauchhöhle des Weibchens. Es zeigte sich meiner Meinung nach eine deutlich vergößerte Leber - alle anderen Organe schienen soweit unauffällig.

Bis zu diesem Zeitpunkt, war ich ein Befürworter großer Futtermengen und regelmäßiger Fütterung. Nach meiner damaligen Meinung, waren nur so ein schnelles Wachstum, eine frühe Geschlechtsreife und Wurfstärke möglich. Ich fütterte tgl. meine Rochen satt.

Vielleicht waren bei diesem Weibchen die organischen Schäden dadurch größer, als äußerlich erkennbar?

 

Heute füttere ich recht unregelmäßig.

Meine Rochen bekommen alle 2-3 Tage Futter ( hauptsächlich ganze Rotaugen, 4-5 Stk. für 4 erwachsene und einen halbwüchsigen Rochen. Den Futterfischen werden zusätzlich 1x/Woche Vitamine zugesetzt ). Ich füttere meine Rochen gezielt mit der Hand und kann so die Aufnahmemenge eines jeden genau kontrollieren/steuern.

Vergiftungserscheinungen?

Ein Pärchen Pot.marbled motoro, - welches von kleinauf bei mir schwamm - sowie ein weiteres geschlechtstreifes Weibchen, hatte ich wegen Umbauarbeiten an meiner Anlage, zu einem vermeintlich befreundeten Pfleger gegeben.

Nachdem er mir nach kurzer Zeit berichtete, dass das älteste Weibchen verstorben sei und die anderen beiden kaum noch fressen würden, sah ich mir die Tiere vor Ort an.

Sie waren so stark abgemagert, dass die Hüftknochen weiß durch die Haut stachen und befanden sich in einem so schlechten Allgemeinzustand, dass ich mich kurzerhand entschloss sie wieder zu mir zu nehmen.

Als ich mit den Tieren zu Hause ankam, steckte kaum noch Leben in ihnen.

Die Atmung war kaum noch zu erkennen, die Augen blutgefüllt und sie zeigten beim Herausnehmen aus der Box keinerlei Abwehrbewegung. Das Pärchen hatte keine Reserven mehr.

 

Ich ging davon aus, dass die beiden die nächsten 2 Stunden nicht überleben würden und entschloss mich daher für ein sehr radikales Vorgehen.

Sie kamen in ein abgedunkeltes 160x60x60 Becken. Die Temperatur regelte ich auf 34°C und begann dann dem Wasser Salz zuzuführen. Jede 1/2h erhöhte ich die Salzkonzentration um 1g/l bis ich nach 2,5h bei 5g/l angekommen war.

Wider Erwarten überlebten die beiden die nächsten 12h, verloren aber einen Großteil ihrer Zähne. Die Atmung besserte sich, die Aktivität ging aber weiterhin gegen Null.

Am 3.Tag begannen sie wieder etwas zu schwimmen. Ich versuchte sie zu füttern, aber offensichtlich konnten sie nur kleine Regenwurmstückchen kauen und schlucken. Egal, zumindest hatten sie wieder angefangen zu fressen!

Ab da ging es mit beiden wieder steil bergauf, so dass ich sie nach 3wöchiger Behandlung im Extrabecken, wieder in das große Becken überführen konnte.

Die Augen hatten leider dauerhaften Schaden genommen und beide Tiere erblindeten.

Im Nachhinein betrachtet, gehe ich bei diesem Vorfall von sehr schlechter Wasserhygiene aus. In dem Becken befanden sich jede Menge ältere Futterreste - angebliche Arbeiten an der Wasserleitung konnten nicht belegt werden. Mangelnde Beobachtung der Tiere und ein zu spätes Einschreiten, hätte bei fast allen 3 Rochen zum Tode geführt.

 

 

Abort

Anfang 2011 übernahm ich von einem befreundeten Pfleger ein Pot.Leopoldi Weibchen. Dieses Weibchen war bei Übernahme etwa in der 5.Woche von einem P14 Bock tragend.

Nach dem Einsetzen in das große Becken, wurde sie von meinem bis dahin "harmlosen" LeoBock leicht bedrängt. Bei einem Versuch des Weibchens, ihn mit ihrem Stachel abzuwehren, fügte sie sich selbst einen tiefen Stich und Schnitt in den rechten Rücken zu. Ich ahnte sofort, dass die Embryonen in Mitleidenschaft gezogen worden waren und hatte etwa eine Stunde später traurige Gewissheit ...

 

Das Weibchen stieß 5 Embryonen ab. Natürlich waren sie in diesem Entwicklungsstadium noch nicht lebensfähig.

 

Nach diesem Zwischenfall, stellte das Weibchen das Fressen ein. Es zeigten sich aber noch deutliche Bewegungen auf der linken Rückenseite.

Nachdem ich das Weibchen separiert hatte, dauerte es noch weitere 14 Tage, bis sie wieder anfing zu fressen. Die Wunde am Rücken verheilte zwar schnell, allerdings schied das Weibchen mehrfach Pus (Eiter) aus. Dies sprach für eine Infektion der betroffenen Geburtshöhle und ich befürchtete, dass die im Mutterleib verbliebenen Jungen absterben sowie auch das Weibchen selbst sterben könnten.

Der weitere Verlauf war aber absolut komplikationslos und 8 Wochen nach dem Zwischenfall, brachte sie 5 gesunde Junge zur Welt.

Nach diesem Vorfall, habe ich es mir angewöhnt, meinen Tieren die Stachelspitze abzukneifen oder sie mit einem Stachelschutz zu versehen.

Ich wäre nicht der erste, der Zuchttiere durch einen unglücklichen Stich verliert.